Wozu brauchen wir Vitamin D?

Vitamin D hat viele Funktionen. Vitamin D ist wichtig für den Knochenstoffwechsel, da es den Knochen hilft, Kalzium aufzunehmen. Es wird außerdem benötigt, damit Muskeln, Herz, Lunge und Gehirn richtig funktionieren. Besonders interessant ist die Funktion von Vitamin D für das Immunsystem: Es wird vermutet, dass Vitamin D dafür zuständig ist, das Immunsystem unter Kontrolle zu halten. Dies legt nahe, dass der Vitamin-D-Spiegel Einfluss auf die Erkrankungswahrscheinlichkeit für Autoimmunkrankheiten wie MS haben und auch für den Schweregrad von Schüben relevant sein könnte.

Vitamin D gilt als das „Sonnenscheinvitamin“, da unsere Haut auf das Sonnenlicht angewiesen ist, um Vitamin D bilden zu können. Über die Nahrung nehmen wir nur eine geringe Menge an Vitamin D auf, vor allem über ölreichen Fisch, Eier, Fleisch, Milch und Margarine.

Aus diesem Grund kann die Vitamin-D-Produktion unseres Körpers, wenn wir (aufgrund unseres Wohnorts oder der Jahreszeit) nur wenig Sonnenlicht aufnehmen, drastisch abnehmen, und es kann ein Vitamin-D-Mangel entstehen. Um einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen, nehmen einige Menschen deshalb Vitamin-D-Präparate ein.

Vitamin-D-Mangel als Risikofaktor für MS

Da die Vitamin-D-Produktion unseres Körpers vor allem vom Sonnenlicht abhängt, wurde in mehreren Studien untersucht, welcher Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Sonnenlicht und der Wahrscheinlichkeit, an MS zu erkranken, besteht. Diese Studien haben wichtige Erkenntnisse über die Rolle von Vitamin D als Risikofaktor der MS gebracht.

Mehrfach wurde ein Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Sonnenlicht im Kindes- und Teenageralter und der Erkrankungswahrscheinlichkeit für MS aufgezeigt.

Tatsächlich steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit, je weiter der Wohnort vom Äquator – und somit von der Sonne – entfernt ist. Interessanterweise kann sich die Erkrankungswahrscheinlichkeit durch einen Umzug verändern: Sie steigt, je weiter man sich vom Äquator entfernt, und sie sinkt, je mehr man sich ihm nähert. Dies gilt aber nur für Umzüge vor einem Alter von 15 Jahren.

In einer Studie wurden Zwillinge – darunter jeweils ein Zwilling mit MS – dahingehend untersucht, wie lange sie sich in ihrer Kindheit im Freien aufgehalten hatten. Es stellte sich heraus, dass der Zwilling mit MS in seiner Kindheit an weniger Aktivitäten im Freien teilgenommen hatte – und somit weniger Sonnenlicht ausgesetzt war.

Ein Mangel an Sonnenlicht scheint bereits in der Gebärmutter Folgen zu haben. Es wurde festgestellt, dass Kinder, die im Frühling geboren sind, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an MS erkranken. Eine Erklärung könnte der Mangel an Sonnenlicht in den dunklen Wintermonaten – und somit in der frühen Schwangerschaft – sein. Eine finnische Studie aus dem Jahr 2016 hat gezeigt, dass ein Vitamin-D-Mangel in den ersten Schwangerschaftsmonaten mit einer beinahe doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Baby später an MS erkrankt, in Zusammenhang steht.

In mehreren Studien wurde auch ein Zusammenhang zwischen einer genetischen Veranlagung für einen Vitamin-D-Mangel und einer höheren Wahrscheinlichkeit, an MS zu erkranken, festgestellt.

Welche Rolle spielt der Vitamin-D-Spiegel für MS-Patienten?

Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel wird mit einer höheren Schubrate in Verbindung gebracht. Darüber hinaus ist der Vitamin-D-Spiegel bei MS-Patienten während eines Schubs niedriger als in der Remissionsphase. Dies lässt einen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und der Krankheitsaktivität vermuten. Welche Ursache dahinterstecken könnte, bleibt jedoch unklar.

Auf der anderen Seite konnte in einer Studie aus dem Jahr 2016 kein Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und dem Fortschreiten der MS festgestellt werden.

Vitamin D als MS-Therapie?

Zwar haben einige kleine Studien gezeigt, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten die Krankheitsaktivität und somit die Schubrate senken kann, doch fehlt es noch an großen, aussagekräftigen klinischen Studien.

Inwiefern die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten nützt – egal ob in der Therapie oder in der Prävention –, kann derzeit nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten kann unter Umständen jedoch sinnvoll sein – vorausgesetzt, Überdosierungen werden vermieden und die Behandlung wird mit dem behandelnden Arzt abgesprochen. Die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten ersetzt keine wissenschaftlich fundierte MS-Therapie. Sprich also am besten mit deinem Arzt.

Olivia Miossec
Master of Science

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